Blitztest für Pferdekrankheiten

Presseinfo / 18.10.2019

Fraunhofer-Forscher entwickeln gemeinsam mit anderen Partnern aus Schleswig-Holstein und Hamburg ein neues vollautomatisches Diagnosegerät für Pferdekrankheiten. Das portable Minilabor erlaubt Diagnosen innerhalb von 30 Minuten, die nach jetzigem Stand der Technik frühestens nach 3 bis 4 Tagen verfügbar sind. Gestern war offizieller Startschuss für das Projekt: Wirtschaftsminister Buchholz übergab auf der Pferdeklinik Tappendorf den beteiligten Einrichtungen aus Schleswig-Holstein die Förderbescheide.

In der Pferdeklinik Tappendorf überreichte Wirtschaftsminister Buchholz (5. v. l.) die Förderbescheide.

Es ist der Alptraum jedes Pferdebesitzers oder Reiterhofbetreibers: Nach einem Turnier erkranken Stuten oder Hengste plötzlich an einem hartnäckigen Herpes-Virus oder anderen tückischen Infektionen. Dabei gab es in den Tagen zuvor nicht die geringsten Anzeichen. Fast immer haben sich die Tiere in solchen Fällen bei Artgenossen angesteckt, ohne dass deren Besitzer etwas von der Krankheit ahnten. Denn – wie beim Menschen – kann die Inkubationszeit auch bei Tieren bis zu einer Woche betragen.

Solche Fälle von kostspieligen Massen-Ansteckungen im Tierstall könnten bald ein Ende haben: Ein Verbund von Firmen und Forschungseinrichtungen aus Schleswig-Holstein und Hamburg entwickelt zur Zeit eine Art Blitztest, mit dem ein Pferdebesitzer künftig innerhalb kürzester Zeit wissen könnte, ob sein Vierbeiner einen Erreger in sich trägt – und wenn ja, welchen.

"OPTOCHIP" heißt das einfach zu verwendende portable Mini-Labor, für dessen Entwicklung Schleswig-Holsteins Technologieminister Dr. Bernd Buchholz gestern einen Förderbescheide über knapp 525.000 Euro an die Vertreter der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), des Fraunhofer-Instituts für Siliziumtechnologie (ISIT) sowie der Krämer Engineering GmbH überreichte. Weitere Verbundpartner sind die Hamburger Unternehmen Byonoy GmbH und altona Diagnostics GmbH, die von Hamburg gesondert noch einmal zusätzlich mit knapp 563.000 Euro aus dem "Programm für Innovation" der Hamburgischen Investitions- und Förderbank (IFB) gefördert werden.

Bei dem OPTOCHIP handelt es sich um ein sogenanntes Point-of-Care-System (PoC) für die Veterinärmedizin mit besonderem Augenmerk auf den Einsatz bei Pferden.
Der Tierarzt entnimmt einem kränkelnden Pferd einen Abstrich, etwa aus den Nüstern, und gibt das Sekret mit einer Pipette in die Kartusche des neuen Gerätes. Danach geschieht alles vollautomatisch. Das aus diagnostischer Sicht interessante DNA-Material wird zunächst von der übrigen Probenmasse getrennt, vervielfältigt, mittels Fluoreszens sichtbar gemacht und schließlich von einer Ausleseoptik angezeigt.

Das Fraunhofer ISIT entwickelt in diesem Projekt eine komplexe Einheit zur Aufbereitung der Proben. Entstehen soll ein nur wenige Millimeter großes Röhrchen aus Silizium, gefüllt mit einem porösen Material, dessen Oberfläche so strukturiert wird, dass DNA Material daran haften bleibt. Anschließend werden diese DNA-Sequenzen vervielfältigt.

Auch die Aufgaben der anderen Akteure bei diesem länderübergreifenden Verbundprojekt sind klar verteilt: Die CAU-Forscher entwickeln die miniaturisierte optische Messtechnik zum Nachweis der Erreger, die Krämer Engineering GmbH produziert im Spritzgussverfahren eine Kunststoffkartusche mit Kammern zur vollautomatischen Aufbereitung und Vervielfältigung der Nukleinsäuren in den Proben und integriert die Bauelemente der CAU und des ISIT.
Die Kartusche soll in einem von der Byonoy GmbH zu entwickelnden Auslesegerät zum Einsatz kommen, das die in der Kartusche befindlichen Bauelemente ansteuert sowie unterschiedliche Testparameter ausliest. Die biochemischen Nachweissysteme, die die konkreten Infektionserkrankungen identifizieren, werden von der altona Diagnostics GmbH entwickelt, die auch die Vermarktung von OPTOCHIP übernehmen wird.

"Wir sind optimistisch, dass dieses Gerät in drei Jahren fertig entwickelt ist und in spätestens sechs Jahren serienmäßig produziert werden kann", sagte Wirtschaftsminister Buchholz. Er sehe im Optochip ein riesiges Marktpotenzial für den gesamten europäischen Raum.