Beauftragte für Chancengleichheit

Zuhören, unterstützen, Chancengleichheit schaffen: Dafür setzen sich Saskia Lange und Magda Karczewski als Beauftragte für Chancengleichheit (BfC) am Fraunhofer ISIT ein.

Gemeinsam kümmern sie sich um die Gleichstellung, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie um den Umgang mit sensiblen und belastenden Situationen am Arbeitsplatz. Dabei sind sie Ansprechpartnerinnen für alle Mitarbeitenden. Was sie an ihrer Aufgabe bewegt, warum Vertrauen dabei unverzichtbar ist und was Chancengleichheit für sie persönlich bedeutet, erzählen sie im Gespräch.

Als Saskia Lange 2021 das Amt der BfC übernahm, gab es am Fraunhofer ISIT keine amtierenden Beauftragten mehr. Sie wurde für das Amt vorgeschlagen und schließlich gewählt. „Ohne viel Vorahnung“, wie sie heute sagt. Die notwendigen Seminare und Weiterbildungen folgten im Anschluss. Bei den Wahlen 2026 kam Magda Karczewski als stellvertretende BfC hinzu. „Ich habe mich mit Saskia viel ausgetauscht und fand die Arbeit interessant“, erzählt sie. Daraus entstand schließlich die Entscheidung, das Amt gemeinsam mit Saskia zu übernehmen.

Magda Karczewski & Saskia Lange

Ihre Motivation für die Aufgabe ist dabei auch persönlich geprägt. Beide arbeiten in einem technisch und wissenschaftlich geprägten Umfeld, in dem Frauen weiterhin weniger stark vertreten sind. „Wir sind selbst Frauen und Frauen in der Technik sind immer noch eher wenige“, sagt Saskia. Für sie ist es deshalb wichtig, anderen zu zeigen, welche Möglichkeiten ihnen offenstehen. Gleichzeitig geht es ihr darum, dass diese Möglichkeiten für alle Menschen gleichermaßen bestehen.

Auch für Magda steht das Miteinander im Mittelpunkt. „Es ist wichtig, dass sich hier alle wohlfühlen und es eine Ansprechperson gibt für die, die ein Problem haben oder sich nicht wohlfühlen. Dass man das nicht mit sich allein ausmachen muss“, sagt sie.

Die Arbeit der BfC umfasst drei zentrale Themenfelder: Gleichstellung, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Prävention und der Umgang mit schwierigen oder grenzüberschreitenden Situationen am Arbeitsplatz. Mitarbeitende können sich mit unterschiedlichen Anliegen an die beiden wenden. Dabei muss niemand schon genau wissen, ob das eigene Thema tatsächlich in den Aufgabenbereich der BfC fällt. Ein erstes Gespräch kann helfen, die Situation einzuordnen und gegebenenfalls die richtige Ansprechperson zu finden.

Besonders wichtig ist dabei die Vertraulichkeit. „Ich glaube, es gibt nichts Wichtigeres“, sagt Magda. Informationen werden nicht ohne Zustimmung der betroffenen Person weitergegeben. Auch untereinander besprechen die beiden ein Anliegen nur, wenn die betreffende Person damit einverstanden ist. Wer sich lieber nur an eine der beiden wenden möchte, kann das jederzeit tun. „Man kann ganz klar sagen: Saskia, ich möchte mit dir reden oder Magda, ich möchte mit dir reden“, erklärt Saskia. Die jeweils andere zieht sich dann zurück. Die Vertraulichkeit bleibt gewahrt.

Chancengleichheit bedeutet für die beiden vor allem, dass Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht die gleichen Möglichkeiten haben.

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, in jeder Abteilung eine bestimmte Anzahl von Frauen und Männern zu erreichen. Entscheidend ist vielmehr, dass Menschen nach ihren Fähigkeiten und ihrer Eignung beurteilt werden, dass gleichwertige Arbeit gleich bezahlt wird und dass niemand aufgrund der eigenen Geschlechtszugehörigkeit schlechtere Chancen erhält.

Gerade im Bewerbungsprozess können dabei unbewusste Vorstellungen eine Rolle spielen. Bei einer jungen Frau kann beispielsweise der Gedanke entstehen, dass sie aufgrund einer möglichen Elternzeit länger ausfallen könnte. Bei einem jungen Mann wird dieselbe Möglichkeit häufig weniger schnell mitgedacht. Dabei haben selbstverständlich alle Geschlechter das gleiche Recht, Familie und Beruf miteinander zu verbinden und Elternzeit in Anspruch zu nehmen.

Auch die Anforderungen in Stellenausschreibungen können einen Unterschied machen. Saskia und Magda erleben, dass Frauen Anforderungen teilweise kritischer auf sich selbst beziehen und sich deshalb eher fragen, ob sie wirklich alle genannten Kompetenzen erfüllen. Eine geschlechtergerechte Gestaltung von Ausschreibungen kann deshalb dazu beitragen, dass sich mehr Menschen angesprochen fühlen und ihre tatsächlichen Fähigkeiten besser zum Ausdruck kommen.

Solche Denkmuster begegnen den beiden nicht nur im Berufsleben. Sie sind oft so selbstverständlich, dass sie zunächst gar nicht auffallen. Beide betonen deshalb, dass niemand frei von unbewussten Vorannahmen ist. Entscheidend sei vielmehr, sich diese bewusst zu machen und die eigenen Vorstellungen immer wieder zu hinterfragen.

Gerade in Technik und Wissenschaft ist das aus ihrer Sicht relevant. Noch immer arbeiten in vielen technischen Bereichen deutlich mehr Männer als Frauen. „Es heißt nicht, dass wir es nicht können und nicht genauso gut sein können“, sagt Saskia. Für die beiden ist deshalb wichtig, Möglichkeiten zu schaffen und Menschen nicht aufgrund von Vorstellungen oder Stereotypen bestimmte Rollen zuzuschreiben.

Am Fraunhofer ISIT selbst erleben die beiden den Arbeitsalltag inzwischen als selbstverständlich und gleichberechtigt. Wenn jemand erst einmal am Institut arbeitet, spiele das Geschlecht im täglichen Miteinander keine entscheidende Rolle. Die Mitarbeitenden würden die gleichen Aufgaben übernehmen und entsprechend ihrer Tätigkeit eingesetzt. Die Herausforderungen liegen aus ihrer Sicht deshalb häufig früher, etwa bei der Berufswahl, bei der Bewerbung oder bei den Erwartungen, die anderen Menschen gegenüber bestehen.

Ein großer Teil der BfC Arbeit bleibt dabei unsichtbar. Neben Gesprächen mit Mitarbeitenden geht es auch um viele Abläufe im Hintergrund. Die BfC werden in bestimmte Prozesse eingebunden, prüfen beispielsweise Unterlagen und begleiten administrative Abläufe. „Das ist wie bei einem Eisberg“, beschreibt Saskia die Arbeit. Das, was von außen sichtbar wird, sei nur ein kleiner Teil. Vieles geschehe im Hintergrund. Gerade diese Arbeit sei aber wichtig, damit Chancengleichheit auch in den täglichen Abläufen berücksichtigt wird.

Ein konkretes Beispiel dafür ist ein neuer Rückzugsraum für Schwangere und Mütter am ISIT. Der Raum bietet die Möglichkeit, sich während der Arbeitszeit in Ruhe zurückzuziehen, beispielsweise bei Beschwerden während der Schwangerschaft oder zum Stillen und Abpumpen. Er kann abgeschlossen werden und bietet damit die notwendige Privatsphäre. Für Saskia und Magda ist der Raum ein gutes Beispiel dafür, wie aus einem konkreten Bedarf eine praktische Verbesserung entstehen kann. „Ich hätte mir so etwas gewünscht, als ich schwanger war“, sagt Saskia.

Ein großes Einzelziel haben sich die beiden für ihre aktuelle Amtszeit nicht gesetzt. Vielmehr möchten sie das weiterführen, was bereits geschaffen wurde, und die bestehenden Möglichkeiten weiterentwickeln. „Wir können eigentlich nur weiter aufklären und informieren und da sein, wenn jemand etwas hat“, fasst Magda zusammen. Gerade bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf gehe es darum, gute Strukturen zu erhalten und weiter auszubauen. So sollen auch für zukünftige Mitarbeitende gute Voraussetzungen geschaffen werden.

 

Unterstützung bekommen die beiden dabei auch aus dem Netzwerk der Fraunhofer BfC. Einmal im Jahr findet eine Netzwerktagung statt, bei der sich BfC verschiedener Fraunhofer-Institute austauschen. Zusätzlich gibt es regelmäßige regionale Treffen. Dabei geht es um Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag, unterschiedliche Herangehensweisen und die Frage, wie andere Institute mit bestimmten Herausforderungen umgehen. Persönliche und vertrauliche Informationen werden dabei selbstverständlich nicht weitergegeben.

„Das hilft extrem, dass man nicht so allein dasteht“, sagt Saskia. Oft stelle sich heraus, dass ähnliche Fragen und Herausforderungen auch an anderen Instituten auftauchen. Der Austausch eröffnet neue Perspektiven und gibt den BfC die Möglichkeit, voneinander zu lernen.

Und was möchten die beiden Mitarbeitenden mitgeben, die überlegen, sich mit einem Anliegen an sie zu wenden?

„Komm einfach vorbei.“

Dabei spielt es keine Rolle, ob jemand bereits genau weiß, was das Problem ist oder zunächst nur das Gefühl hat, dass etwas nicht stimmt. „Manchmal hilft es auch einfach, wenn man darüber spricht“, sagt Magda. Und sollte sich herausstellen, dass die BfC nicht die richtige Anlaufstelle sind, können sie dabei helfen, eine passende Ansprechperson zu finden.

Deshalb gilt für die beiden: Nicht lange überlegen, ob ein Anliegen „wichtig genug“ ist. Wenn einen etwas beschäftigt, sollte man darüber sprechen können. Und dafür sind Saskia Lange und Magda Karczewski da.

 

Karriereförderung für Frauen bei Fraunhofer

Die Fraunhofer-Gesellschaft fördert Gleichberechtigung in allen Hierarchieebenen und bietet spezielle Maßnahmen zur Karriereförderung für Frauen an.

 

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